Julia kann sich an nichts erinnern, als sie plötzlich in einem Krankenhausbett erwacht. Und doch… – War da nicht etwas mit Hagel gewesen? Und was ist mit Alfred los? Elfi, die seltsamerweise an Julias Seite sitzt, rät ihr davon ab, sich bei Alfred zu melden – mit einer mehr als plausiblen Erklärung, die auch einige andere Unklarheiten endlich auflöst.

„Ja?“
„Grüß Gott, Frau Steindl, zuallererst einmal mein herzlichstes Beileid. Die Gemeinderatssitzung ist soeben zu Ende gegangen, der Herr Bürgermeister hat mich geschickt, weil die brauchen jetzt unbedingt ein paar Fotos vom Heinz und von den Kindern – und natürlich auch von Ihnen – wegen dem Spendenkonto.“
„Aha. Da muss ich schauen. Kommen S`rein, Sie werden ja sonst ganz nass.“
„Vielen Dank!“

***

„Das ist die Telefonbox von Alfred Oberndorfer, Physiotherapie. Im Moment bin ich nicht erreichbar, aber wenn Sie Ihren werten Namen und Nummer hinterlassen, ruf ich Sie gerne zurück!“
„Alfred, die Sache ist erledigt – ich bin jetzt auf dem Weg zu dir!“

***

„…Elfi? – ….Was – Was machst du da?“
„Willst du nicht vielmehr wissen, was DU da machst, Julia?“
„ –… Wo bin ich? Scheiße, mir tut alles weh!“
„Na, klingelt`s?“
„Nein. Keine Ahnung.“
„Du bist im Krankenhaus. UKH Meidling.“
„Was ist passiert?“
„Du kannst dich an nichts erinnern?“
„Nein. Warte – ich hab Cola gekauft… – Und Snickers, an der Tankstelle. Aber was ist dann passiert?“
„Autounfall! Du warst unterwegs zu dem toten Bauern mit den sieben Kindern.“
„Elfi, ich hab die Fotos! Von ihm, von der Witwe, und von allen sieben Kindern! Weiß das der Rainer schon? Und der Gröschaz? Hast du`s ihnen gesagt?…“
„Julia, das ist Schnee von gestern! So wie das Redaktionsauto ausschaut, kannst du jedenfalls froh sein, dass du überhaupt noch lebst!“
„Tja, jetzt ist das eingetreten, wovor ich mich die ganze Zeit gefürchtet hab.  Aber du hast recht, es hat gehagelt… Moment… – Ich war doch schon auf dem Rückweg? Und der Hagel… – Das war doch auf dem Hinweg… – Wo ist mein Handy? Ich muss meine Eltern anrufen… – und den Alfred! Mit dem wollte ich mich doch treffen!“
„Also, das mit deinen Eltern hat der Rainer längst erledigt. Die sind übrigens auf dem Weg hierher.“
„Und der Alfred?“
„Der liebe Alfred hat jetzt andere Sorgen!“
„Wieso?“
„Tja, ich fürchte, Julia, du warst für den Alfred nicht die Einzige, wie`s ausschaut!“
„Was soll das heißen?“
„Der Alfred sitzt in U-Haft, denn sie haben eine halbe Tonne DVDs mit Aufnahmen von seinen sexuellen Aktivitäten bei ihm gefunden.“
„Was?“
„Tja, du warst zwar nicht die Einzige, aber dafür die Einzige, mit der er es legal getrieben hat!“
„Wie? Was…?“
„Du warst quasi die Oma unter Alfreds Sexpartnerinnen – die meisten schauen nämlich nicht so aus, als ob sie schon über vierzehn gewesen wären!“
„Ich glaub, ich muss gleich kotzen!“
„Beruhig dich, die Polizei weiß von dir gar nichts, ich hab die DVD mit den Aufnahmen von dir rechtzeitig verschwinden lassen – voilà, bitte sehr! Ich war nämlich schon länger an ihm dran, aber mir haben noch die letzten Beweise gefehlt. Als du kürzlich mit ihm so lange fort warst, bin ich in seine Wohnung eingestiegen. – Ach, übrigens: Bismarck ist wieder aufgetaucht!“

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Julia, immer noch auf der Jagd nach einem Foto von dem toten Bauern, seiner Witwe und den sieben Kindern. Sie kann niemanden von ihren Kollegen, erreichen, und auch das Wetter wird immer schlimmer. Die, mit denen sie spricht, wollen sie abwimmeln. Julia ist kurz davor, aufzugeben, doch dann erfährt sie, dass die Neuesten Nachrichten schon dort waren, beim Bauern. Jetzt weiß sie: Sie muss fahren – sonst ist sie morgen ihren Job los.

„Das ist die Telefonbox von Alfred Oberndorfer, Physiotherapie. Im Moment bin ich nicht erreichbar, aber wenn Sie Ihren werten Namen und Nummer hinterlassen, ruf ich Sie gerne zurück!“
„Fuck!“

***

„Guten Abend! Ist jemand von der Feuerwehr da?“
„Sie sehen ja, dass nur ich da bin! Die sind jetzt alle auf Einsatz, wegen dem Unwetter… Na, Ihr Auto hat`s aber auch ganz schön erwischt!“
„Ist zum Glück nur das Dienstauto.“
„Was wollen Sie denn von den Männern?“
„Ich muss nämlich zum Steindlbauern, und…“
„Der ist doch tot!“
„Genau darum geht’s. Ich bin von der Zeitung und muss jemanden finden, der mir was über die Gschicht erzählen kann.“
„Was heißt Gschicht? Das ist eine Tragödie! Der Heinz hat sieben Kinder gehabt!“
„Haben Sie ihn gekannt?“
„Den Heinz? Na sicher! Der war doch Gemeinderat und Bauernbundobmann!“
„Außerdem ist die Poldi eine Freundin von mir!“
„Wie geht´s ihr denn jetzt?“
„Na, wie soll`s ihr schon gehen? Sie stellen Fragen.“
„Ich muss nämlich dringend mit ihr reden.“
„Na, die dürfen S` jetzt nicht stören! Der Pfarrer ist doch oben – und die vom Krisenteam! Ich weiß das, mein Mann ist der Feuerwehrkommandant!“
„Ihr Mann war dabei? Ich meine, er hat bei der Bergung mitgeholfen? – Sagen Sie, kann man mit dem telefonieren?“
„Ich hab ja schon gesagt, dass er im Einsatz ist!“
„Kann er mich dann zurückrufen? Das wäre enorm wichtig! Ich bin nämlich extra aus Wien hierhergekommen. Wir müssen über diesen tragischen Unglücksfall natürlich berichten. Da brauchen wir alle Fakten aus erster Hand. Ihr Gatte wäre der perfekte Gesprächspartner für mich.“
„Ich kann`s ihm sagen. Aber garantieren kann ich für nichts! Er hat den Heinz gut gekannt, und ich weiß nicht, ob er darüber mit der Zeitung reden will.“
„Darf ich Ihnen trotzdem meine Karte da lassen? Eine Frage hätte ich noch – wie heißt denn euer Bürgermeister? Mit ihm würde ich auch gern sprechen.“
„Ja, der Franz kann Ihnen vielleicht wirklich helfen. Der ist auch ganz leicht zu finden, ihm gehört das Ratsherrenstüberl. Das ist, wenn sie jetzt in den Ort hineinfahren, auf der rechten Seite, gleich nach dem
Gemeindeamt. Gar nicht zu übersehen. Und wenn S` mich jetzt bitte entschuldigen, ich muss ja den Boden beizeiten auch noch fertigwischen…“
„Ich will Sie natürlich nicht aufhalten – vielen Dank für die Auskunft!“
„Ich hab ja gar nix gesagt!“

***

„Grüß Gott!“
„Was darf`s denn sein, bitteschön?“
„Einen großen Schwarzen und ein Cola. – Haben Sie auch Zigaretten?“
„Marlboro, Marlboro light, Memphis, Camel, Falk.”
„Dann nehm ich die Marlboro light!“
„Gerne, gnädige Frau, kommt sofort.“

***

SMS an Cordula:

sitze in landcafé mit rosa vorhängen und messing-wandleuchten,  marke ex-provinzpuff, aber jetzt gehörts dem bürgermeister. bis jetzt war`s zach, hoffe jetzt auf die hilfe des dorfkaisers.

***

„So, bitte sehr, ein Großer Schwarzer und ein Schachterl Marlboro light.“
„Sagen Sie, darf ich Sie was fragen? Ich bin Journalistin, und man hat mir gesagt, dass Ihr Mann den Steindlbauern gekannt hat. Ich würde gerne mit ihm reden. Geht das?“
„Der ist in einer wichtigen Sitzung. Aber ich kann versuchen, ihn am Telefon zu erreichen.“
„Das wäre sehr lieb!“

***

SMS an Cordula:

PS: kaffee ist untrinkbar – hab einen großen schwarzen bestellt und einen verlängerten ohne milch gekriegt! und die haben hier nicht einmal rote gauloises! :-((

***

„Gnädige Frau, ich hab meinen Mann jetzt erreicht. Aber gell, lange hat der nicht Zeit für Sie. Wenn`s wirklich wichtig ist, müssen Sie sich halt einen Termin mit ihm ausmachen, am besten nächste Woche!“
„Vielen Dank, aber ich fürchte, so lange hab ich nicht Zeit. Muss ich da jetzt noch wo draufdrücken?“
„Nein, die Verbindung steht schon.“
„Grüß Gott, Herr Wohlfahrtsschlager! Ich weiß, dass Sie gerade in einer Sitzung sind und ich will Sie auch nicht lange aufhalten, aber es ist wichtig. Mein Name ist Julia Janda, ich bin Journalistin bei INFO bunt. Ich bin soeben aus Wien gekommen und sitze jetzt bei Ihrer Frau im Café.“
„Was – bei dem Wetter sind Sie hier herausgefahren?“
„Freilich! Ich bin mitten in den Hagel hineingekommen. Aber das kann man sich in unserem Job leider nicht aussuchen. Also, die Sache ist die: Es geht um den schrecklichen Traktorunfall von heute Nachmittag, Sie wissen schon, der Steindlbauer.“
„Wie kann ich Ihnen da jetzt weiterhelfen?“
„Sie sind ja der Bürgermeister, und haben den Toten gut gekannt. Das muss ja ein ganz schrecklicher Verlust für die Gemeinde sein – wo der Herr Steindl ja auch noch Gemeinderat und Bauernbundobmann war. Das müssen wir alles groß bringen. Ich brauche einen Kontakt zur Familie, und ich hoffe, Sie können mir da helfen.“
„Reden können S` jetzt mit denen sicher nicht!“
„Aber wissen Sie, Herr Bürgermeister, es geht mir ja gar nicht um ein Interview im klassischen Sinn. Ich bin in erster Linie deshalb hierhergekommen, weil ich der Familie helfen will. Die schulische Ausbildung der Kinder ist ja gefährdet, wenn die jetzt auf dem Hof mithelfen müssen – bzw. den Hof übernehmen müssen.“
„Ja, die zwei älteren Burschen sind das. Der Florian geht ins Gymnasium, und der Michi lernt Speditionskaufmann.“
„Wir als auflagenstärkste Zeitung im Land wollen uns hier natürlich einbringen. Zusätzlich zu unserer Berichterstattung. Was ich Ihnen anbieten könnte, wäre die Einrichtung eines Spendenkontos, für das wir dann einen Spendenaufruf machen.“
„Ein Spendenkonto? Genau deswegen haben wir jetzt die Sitzung spontan einberufen. Ihre Kollegen von den Neuesten Nachrichten haben heute nämlich auch schon so einen Vorschlag gemacht. Wir diskutieren gerade drüber.“
„Die Neuesten Nachrichten, waren die oben bei der Frau Steindl?“
„Ja.“
„Wenn das so ist, dann muss ich unbedingt persönlich mit der Frau Steindl sprechen.“
„Verstehen Sie nicht, die haben gerade den Vater, den Ehemann verloren! Das kann man sich ja gar nicht vorstellen… Ich war ja selber oben den halben Tag. Die sind am Ende. Und die Neuesten Nachrichten haben sich auch nicht abwimmeln lassen – also, ich glaube nicht, dass die heute noch eine Zeitung ertragen können.“
„Gut, vielen Dank für Ihre Hilfe!“
„Danke auch!“
„Wiederhören!“

***
„Das ist die Telefonbox von Alfred Oberndorfer, Physiotherapie. Im Moment bin ich nicht erreichbar, aber wenn Sie Ihren werten Namen Nummer hinterlassen, ruf ich Sie gerne zurück!“

***
„Mailbox von Cordy. Sprich jetzt – oder schweig für immer!“

***
„Rainer Reisenbichler, INFO bunt. Leider kann ich Ihren Anruf derzeit nicht persönlich entgegennehmen. Bitte sprechen Sie nach dem Piepston auf das Band!“

***

„Rainer, der rasende Reporter ist unterwegs – oder will einfach grad nicht mit dir reden, weil er vielleicht Besseres zu tun hat! Sprich auf die Box – wer weiß, vielleicht hast du Glück und ich ruf zurück!“

***

„Wir sind derzeit nicht zuhause. Bitte probieren Sie es später noch einmal.“

***

„Sie sind verbunden mit der Mobilbox von 0665 852 3658.“
„Mama – nicht einmal du bist erreichbar! Was ist los, warum hebt niemand ab? Wo bist du???“

 ***

„Das ist die Telefonbox von Alfred Oberndorfer, Physiotherapie. Im Moment bin ich nicht erreichbar, aber wenn Sie Ihren werten Namen und  Nummer hinterlassen, ruf ich Sie gerne zurück!“

***

„Frau Wirtin, zahlen bitte! – Und bitte eine Rechnung, fürs Finanzamt!“
„Das wäre dann 8,80, bitte!“
„Danke, das passt schon so. Und vielen Dank für Ihre Hilfe.“
„Danke auch!“
„Sagen Sie, jetzt habe ich Ihren Mann blöderweise zu fragen vergessen, wie ich zur Familie Steindl komme. Und noch einmal belästigen kann ich ihn wirklich nicht mehr. Wissen Sie, wie ich da hinkomme?“
„Das ist nicht schwer zu finden. Sie fahren zurück, biegen bei der Feuerwehr ab und fahren dann den Berg hinauf, bis es nicht mehr weitergeht. Der Steindlbauer ist das letzte Haus, Nummer 29. Das können S` gar nicht verfehlen!“
„Danke vielmals!“
„Aber gern!“

Julia ist schon auf dem Weg zum After-Work-Drink mit Cordy, als Ressortleiter Rainer sie zurückkommandiert: Ein Bauer wurde vom eigenen Traktor erschlagen. Der Gröschaz will Fotos vom Bauern, der Witwe und den sieben Halbwaisen. Alles in Julia sträubt sich, dort hinzufahren. Da ist die Tatsache, dass sie nicht nur den Drink mit Cordy, sondern auch ein späteres Date mit Alfred versäumt, noch das geringste Problem. Und dann fängt es auch noch an zu hageln…

An: j.janda@info-bunt.com
Von: c.reif@info-bunt.com
das war ja wohl wirklich der blödeste tag seit langem – ich glaube, wir haben uns jetzt ein gläschen verdient!

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eines reicht da definitiv nicht. bin grad unfreiwillig zur expertin für zu tode gekühlte nagetiere geworden. details mündlich! 10 minuten? ich kann aber nur bis halb zehn, hab dann ein date mit alfred…(ich hab ja morgen und übermorgen frei!)

An: j.janda@info-bunt.com
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passt – wir treffen uns unten!

***

„Julia! Super, dass du noch da bist! Ich wollte dich gerade anrufen.“
„Was gibt’s – ein toter Hamster vielleicht? Ich bin eigentlich schon weg. Hab nur meinen Schirm vergessen, und da draußen geht gerade die Sintflut nieder…“
„Vergiss den Schirm, hör zu, ist gerade über die Agentur gekommen: Bauer, Vater von sieben Kindern, vom eigenen Traktor erschlagen! Mehr weiß ich auch noch nicht. Fahr da hin!“
„Was, jetzt sofort?“
„Ich will ein Foto von den Kindern. Und natürlich auch von dem Opfer, seiner Witwe und dem Traktor – die ganze Story. Für morgen geht sich`s eh nicht mehr aus, aber übermorgen haben wir dann die Top-Story. Als Einspalter ist es ja eh schon morgen drinnen, ich hab`s gegen deine Stelze getauscht.“
„Rainer, ich bin bereits außer Dienst! Außerdem hab ich jetzt zwei Tage frei!“
„Ein Freier ist nie außer Dienst – aber wenn du diese Gschicht jetzt nicht verhaust, bist du beim Gröschaz sicher wieder gut angeschrieben. Und wer weiß, vielleicht stellt er dich sogar an?“
„Kann ich mir kaum vorstellen, vor wenigen Stunden wollte er mich noch rausschmeißen!“
„Stell dich nicht so an und fahr da jetzt sofort hin! Ich will ein Foto von dem toten Bauern und seiner Frau und allen sieben Kindern.“
„Dann schick doch einen Fotografen hin!“
„Das ist eine Riesenstory, so was passiert nicht alle Tage, da müssen wir vor Ort sein. Ich will ein Interview mit der Witwe, da schick ich doch keinen Fotografen allein! Fahr jetzt, sonst waren schon wieder einmal alle vor uns dort.“
„Erstens, wo ist das überhaupt, und zweitens, wie soll ich die gute Frau davon überzeugen, mir ihr Herz auszuschütten?“
„Ich habs satt, permanent mit dir zu diskutieren. Du fährst jetzt! Die sollen sich der Reihe nach aufstellen und dir ein fesches Foto von ihrem Papa geben! Musst halt auch ein bisserl betroffen tun, machst halt einmal nicht auf super-objektiv!“
„Wie mach ich das?“
„Mit Geld.“
„Wie jetzt – soll ich die bestechen, die arme Frau von dem armen toten Mann? Und außerdem, ich hab gedacht, so was tun wir nicht – zumindest nicht offiziell!
„Tun wir auch nicht, zumindest nicht offiziell, ha ha! – Nein, es geht um ein Spendenkonto, meine Liebe! Keiner wird was dagegen sagen, wenn wir für die aaaarme Witwe und die aaaaarmen hinterbliebenen Kinder, die ja alle noch eine Ausbildung brauchen, ein Spendenkonto einrichten. – Das wir dann, versteht sich, auflagenstark bewerben! Da kriegst du dann schon deine Fotos – vom Urlaub, vom Heurigen, und vom letzten Bauernbundball!“
„Das kann doch nicht dein Ernst sein, Rainer!“
„Sind wir hier bei den Samaritern? Oder bei der Caritas? Gib du mir, dann geb ich dir – das haben schon meine Freunde, die alten Lateiner, gesagt.“
„Da mach ich nicht mit.“
„Es wird dir nicht viel anderes übrig bleiben. Oder willst du in der Nacht dort einsteigen und die Familienfotos aus dem Wohnzimmerkasten stehlen? – Wär` mir zwar auch recht, aber ganz ehrlich, Mädel – das trau ich dir nicht zu. Mach dich jetzt auf den Weg, wie du`s anlegst, kannst du dir ja beim Fahren überlegen. Ab mit dir!“
„Wenn das so eine Riesensache ist – warum gibst du mir nicht wenigstens einen Fotografen mit? Wär ja wohl das Mindeste…! Und überhaupt: Bei so einem Wetter fahr ich nicht!“
„Ich kann keinen Fotografen herzaubern! Der Heinz-Uwe ist in der Steiermark unterwegs wegen dem Papst. Und dass es im Frühling regnen kann, wird dir wohl auch nichts Neues sein, oder?“
„Eins sag ich dir – wenn ich verunglücke und dann tot bin, zahlst du drauf! Meine Eltern werden dich verklagen! So viele Lügengeschichten kannst du dir gar nicht mehr ausdenken, bis du das Geld beisammen hast, das du brauchen wirst, wenn ich sterbe! Was ist überhaupt mit dem Alex? Wo treibt der sich herum?“
„Er ist nicht da. Basta.“

***

„Julia! Bleibt`s bei halb zehn?“
„Fürchte, es geht sich nicht aus!“
„Warum, was ist los?“
„Ich halt`s nicht mehr aus, mich macht das alles so fertig. Ein Bauer wurde vom Traktor erschlagen, ich muss da jetzt hin – scheiße!“
„Du Arme! Ich denk ganz fest an dich!“
„Danke! Ohne dich wär ich vermutlich schon ein Fall für den Psychiater!“
„Du tust mir auch gut!“
„Alfred?“
„Was ist?“
„Ich hab dich gern!“
„Und ich dich erst! Pass auf dich auf!“

***

„Bist du immer noch da? Könntest schon fast dort sein! Oder hast du noch eine Runde meditiert?“
„Dir auch noch einen schönen Abend, Rainer!“

***

„Julia, wo bleibst du? Ich hab schon die erste Runde bestellt! Als du nicht gekommen bist, bin ich vorgegangen – und hab den Wolfi getroffen. Mit dem sitze ich jetzt zusammen. Über die Gschicht mit dem totgekühlten Hasen bin ich mittlerweile auch im Bilde.“
„Sorry, Cordy,ich hab dich total vergessen! Ich kann nicht – muss eine ganz grausliche Gschicht machen, toter Bauer in der Provinz! Ich sitze schon im Auto!“
„Au weia! Hör zu, ich hab was zum Lachen für dich!“
„Kann ich jetzt gut brauchen.“
„Ich mach diese Woche die Programmvorschau. Und da ist ja gerade der Tolstoi-Vierteiler angelaufen im Fernsehen…“
„Keine Ahnung. Bin schon lang nicht mehr zum Fernsehen gekommen.“
„Egal! Also: O-Ton Sylvie: ‚Kinderl, ruf beim Sender an und frag, wie es weitergeht mit Krieg und Frieden, damit du für morgen eine Story über den zweiten Teil machen kannst!’ Sag ich: ‚Ich weiß, wie es weitergeht, hab schließlich das Buch gelesen.’ Und dann sagt sie – und jetzt halt dich bitte ganz fest an… –“
„Bin eh angeschnallt…“
„Also, Sylvie flötet: ‚Was, echt? Das Buch zur Serie gibt`s auch schon?’ – Geil, was?“
„Ja. Un-pack-bar! – Geh bitte, wo ist denn dieser blöde Scheibenwischer-Knopf?“
„Hast du eigentlich eine Freisprecheinrichtung?“
„Theoretisch ja, ich weiß nur nicht, wo sie ist! Siehst du, deshalb hat das mit dem Kommunismus nicht funktioniert. Alles, was allen gehört, verludert oder verschwindet! So wie in diesem Firmenauto. NEIN – kein Fernlicht, ich will scheibenwischen!“
„Du Julia, ich glaub, wir hören jetzt lieber auf…“
„Hier ist sowieso eine Tankstelle, ich fahr da jetzt rein und suche in aller Ruhe den Scheibenwischer – wenn dieses Wetter so weitergeht, fürchte ich, werde ich selbst noch zum Einspalter…“
„Mach`s gut!“
„Danke, du auch!“

***

„Grüß Gott, ich hätte gerne eine große Flasche Cola und drei Mars-Riegel! Danke! Wissen Sie, wie ich am besten nach St. Corona am Schröpfl komme?
Bin ich da auf dem richtigen Weg?“
„Aber ja, das passt schon! Sie fahren in Alland ab, dann weiter Richtung Hainfeld, und dann müssen S` halt ein bisserl auf die Schilder schauen! –“
„Ui, jetzt schüttet`s aber gewaltig! Nein – das sind ja Hagelkörner! Aber keine kleinen…“
„Dann bleib ich noch ein bisschen da. Kann ich bitte einen Großen Braunen haben?“

während cordy peinliche straßenbefragungen mit dem schönen fotografen alex absolvieren muss, quält julia sich im chronikressort mit zu tode gekühlten hasen ab. wieder einmal entgeht der gröschaz nur durch zufall dem plötzlichen herztod durch aufregung und ärger. und wieder einmal lässt ressortleiter rainer julia ins offene messer laufen…

„Julia, machst du eigentlich die Kurzmeldungen oder den Dreispalter?“
„Der Rainer hat mir beide aufs Aug gedrückt!“
„Typisch. Ich hab heut gar nichts zu tun. Soll ich dir die Kurzen abnehmen?“
„Das wär ganz lieb von dir, Wolfi!“
„Worum geht’s eigentlich in deinem Dreispalter?“
„Dreifacher Familienvater beim Stelzenessen im Gasthaus vor den Augen seiner Kinder erstickt!“
„Na, der Wirt kann wohl bald zusperren!“
„Du, ich hab eine geniale Meldung für dich!“
„Was denn, der 297. Autounfall mit Eigenverletzung?“
„Viel besser – Hase zu Tode gekühlt!“
„Was?“
„So steht`s in der Aussendung!“
„Lies vor!“

Presseaussendung der Sicherheitsdirektion

Hase zu Tode gekühlt
Am 16.04.2010, gegen Vormittags, machten zwei Fahrer der Tierkörperverwertung in 7350 Oberpullendorf einen grauenvollen fund: In einem gekühlten Container des Schlachthauses Fa. Ifkovits in ebendort, befand sich ein toter Hase. Es handelte sich dabei nicht um Schlachtabfälle. Der Hase dürfte aus einen Privatbesitz stammen, die h.o. Polizei hat ihre Ermittlungen aufgenommen.

„Wahnsinn! Aber wie bring ich das in einen Einspalter?“
„Na, vielleicht wär das was für die Seite drei? Ich an deiner Stelle würde zur Sicherheit nachfragen!“
„Scherzküberl! Übrigens: Hat dich gestern die Elfi noch erwischt?“
„Nein – wieso?“
„Nachdem du gegangen warst, ist sie plötzlich dagestanden und hat gefragt, wie lang du schon weg bist. Die war ganz aufgeregt und wollte unbedingt wissen, wo du jetzt hingehst!“
„Aha – und was wollte sie schon wieder? Dauernd will sie irgendwas wissen und fratschelt mich über mein Privatleben aus. Diese Frau nervt!“
„Die interessiert sich halt für dich! Hast du einen Verfolger?“
„Blödmann.“

***

An: j.janda@info-bunt.com
Von: c.reif@info-bunt.com
all i can say is: i need a drink! fällt das auf, wenn ich das schon jetzt, um drei am nachmittag, erledige? du glaubst nicht, was passiert ist!!! bin natürlich davon ausgegangen, dass ich so wie bisher bei sämtlichen straßenbefragungen allein, bewaffnet mit der minikamera, ausrücke. aber nein! das thema liegt sylvie offenbar am herzen – sie wollte „die besten
fotos, die es gibt!“ (o-ton sylvie) – und daher HAT SIE MIR DEN ALEX ALS FOTOGRAF MITGEGEBEN! ihn als knipser bei diesem thema dabeizuhaben, wäre schon schlimm genug. aber nach der gschicht neulich… ich hatte das gefühl, alle leute, die ich angeredet habe, haben sich im selben moment gedacht: ha, glaubst du leicht, ich merke nicht, dass du mit ihm was gehabt hast, illegalerweise? steht dir doch ins gesicht geschrieben… – ich weiß, du denkst dir jetzt, ich hab einen verfolger. – aber so ist es mir wirklich gegangen!!!!!!!

An: c.reif@info-bunt.com
Von: j.janda@info-bunt.com
das ist natürlich ein hammer! wie war die befragung? schwierig, fünf pros und fünf contras zu kriegen?

An: j.janda@info-bunt.com
Von: c.reif@info-bunt.com
allerdings, denn es stellte sich schon sehr bald heraus, dass sich unser leser entweder ungern mittags auf einkaufsstraßen herumtreibt, oder dass es ihn schlicht nicht gibt. sobald ich den satz „wir machen eine umfrage
für INFO bunt“ heraus hatte, hieß es in 90 prozent der fälle: „INFO bunt? nein danke, ich glaube, lieber nicht!“ hab dann die taktik gewechselt und INFO bunt durch LEBEN ersetzt. obwohl nun die leute zwar stehen geblieben sind, haben die meisten spätestens bei der fragestellung sofort wieder reißaus genommen. und war dann endlich ein williges opfer gefunden, scheiterte es am geforderten foto. war schon leicht panisch, aber der alex hatte dann die rettende idee: touristen! keiner kennt sie, und es ist ihnen auch schnurzegal, ob sie am nächsten tag mit einem peinlichen sager und einem peinlichen foto aus einer peinlichen zeitung lachen. hat super funktioniert! eine stunde später präsentiere ich die sammlung illustrer kandidaten stolz karin, die nur grantig meint: „ist das dein ernst?“ ich denke mir, was will sie? aber die erklärung folgt auf dem fuß: „die sind ja alle schiach wie die nacht finster! weißt du noch immer nicht, dass die sylvie ausschließlich schöne Menschen in ihren gschichten haben will???“ als wäre das nicht schon schlimm genug, taucht die besagte wie aus dem nichts auf, wirft einen blick auf die japanerin, die gerade am bildschirm zu sehen war, und sagt eisig: „kinderl, nur weil wir INFO bunt heißen, heißt das noch lange nicht, dass wir auch alle hautfarben in unserer zeitung haben müssen, ist das klar?“

An: c.reif@info-bunt.com
Von: j.janda@info-bunt.com
widerlich!!

***

„INFO bunt, Magazin LEBEN, Cordula Reif am Apparat, schönen guten Tag…“
„Ich bin´s, kannst du kurz rüberkommen?“
„Geht leider nicht, bin die nächsten zwei Stunden an meinen Schreibtisch gefesselt. Wir warten nämlich auf „urwichtige“ (O-Ton Sylvie) Fotos, die der Heinz-Uwe von irgendeiner Ex-Miss gemacht hat…“
„Hat sich die schon wieder ausgezogen?“
„Die promotet bloß unser neues Super-Angebot „Ein Jahr INFO bunt im Kombipack mit einem Fernsehsessel mit integriertem Massagekopfteil“. Jetzt
muss ich alle 30 Sekunden auf „Aktualisieren“ drücken und schauen, ob die Fotos schon auf dem Server sind! Aber wir können ja währenddessen telefonieren – ich bin ja eine Multitaskerin!“
„Wie habt ihr die andere Fotosache jetzt gelöst?“
„Die Befragung zum Thema künstliche Befruchtung?“
„Ja.“
„Auf INFO bunt-Art.“
„Heißt?“
„Sylvie hat alle Gesichter rausgehaut, denen man ansieht, woher sie kommen, zum Beispiel die besagte Japanerin, und denen, denen man es nicht ansieht, also der Amerikanerin und der Französin, hat sie einen deuschen Fantasienamen gegeben!“
„Unglaublich. Aber theoretisch kann ja auch ein asiatisch aussehender Mensch – oder jemand mit französischem Namen – unsere Staatsbürgerschaft haben. Soll sogar schon einmal vorgekommen sein…“
„So viel Differenzierungsfähigkeit mutet INFO bunt seinem Leser aber nicht zu, wie du ja sicher weißt, und du weißt ja auch, bloß, weil wir INFO bunt heißen, heißt das noch lange nicht….“
„Aber fehlen dir da jetzt nicht ein paar Sager?“
„Das hat die Karin persönlich in die Hand genommen. Ich wurde ja damit bestraft, auf die Miss-Fotos von Heinz-Uwe zu warten, und Sylvie immediatly davon in Kenntnis zu setzen, wenn sie da sind.“
„Wer ist die Karin?“
„LEBEN-Redakteurin, LEBEN-Layouterin und LEBEN-Sekretärin in Personalunion.“
„Ist das die dicke Rothaarige, die immer so böse schaut?“
„Genau!“
„Geschieht ihr recht, dass die jetzt eine Stunde auf der Straße stehen und sich demütigen lassen kann!“
„Was wolltest du eigentlich?“
„Das hätt` ich jetzt fast vergessen…! Ich hab mich grad irrsinnig aufgeregt über den Rainer und den Gröschaz…“
„Was ganz was Neues! Was war denn?“
„Erst verspricht mir der Rainer, die Gschicht von dem Prozess nicht zu bringen, aber offenbar hat er sich das dem Gröschaz nicht einmal zu sagen getraut. Jedenfalls ist der natürlich draufgekommen – weil alle anderen haben sie heute drinnen – und jetzt hat er in der großen Konferenz den totalen Aufstand gemacht. Zuerst hat er gaaanz lang nichts gesagt, und nur mit dem Bleistift in seinem Ohr herumgebohrt, sodass alle schon geglaubt haben, jetzt ist es gleich durch, das Trommelfell…“
„Hat er ihn wenigstens abgeschleckt, hintennach?“
„Erstaunlicherweise nicht. Hat vor lauter Ärger wohl drauf vergessen. Dann hat er ihn wie wild zwischen den Fingern herumgedreht, so wie die Zirkusartisten mit den langen Stäben…“
„Weiß schon.“
„Jedenfalls ist der Blei plötzlich in der Mitte auseinandergebrochen. Knacks! Es war immer noch mucksmäuschenstill. Und in diese Stille hinein hat er gebrüllt: ‚Seid ihr alle gehirnamputiert?’“
„Nicht ein einziges Wort zu seiner – oder meiner – Verteidigung ist dem Rainer über die Lippen gekommen! Dann ist er aufgesprungen…“
„Der Rainer?“
„Nein, der Gröschaz. Ist aufgesprungen, dabei ist sein Sessel mit einem lauten Krachen nach hinten gekippt. Hat den umgeschmissenen Sessel völlig ignoriert, und begonnen, mit dem rechten Fuß auf den Boden zu stampfen, mindestens zehn Mal!“
„Wie ein…“
„Rumpelstilzchen, genau! Dann hat er begonnen herumzubrüllen, ohne Punkt und Komma. Die Irmi hat mitgestoppt. Es waren zwei Minuten und 47 Sekunden.“
„Was hat er denn gebrüllt?“
„Das Übliche. Was wir hier sind, eine Zeitung, oder eine Behindertenwerkstatt, warum ausgerechnet er mit solchen Volltrotteln arbeiten muss, womit er das alles verdient hat, dass er uns gerne rausschmeißen würde, aber wenn er alle rausschmeißt, über die er sich täglich ärgern muss, dann hat er leider niemanden mehr, der die Zeitung für ihn schreibt, etc. etc., bla bla bla.“
„Ja, aber was hätte er denn gewollt? Das war doch – sorry, dass ich das jetzt so sag – keine große Sache, solche Prozesse gibt’s täglich auf allen Gerichten! Da ist doch sicher niemandem aufgefallen, dass ausgerechnet INFO bunt ausgerechnet diesen Prozess nicht drinnen hat.“
„Er hätte halt gern eine Riesenstory Marke „So entkam ich dem Sex-Ungeheuer – 26-jährige INFO bunt-Redakteurin exklusiv über die schlimmsten Minuten in ihrem Leben“ vorgestellt.“
„Nein nein, wenn schon, dann muss es „im Exklusiv-Talk“ heißen!“
„Das wäre ausnahmsweise wirklich eine Quasi-Exklusiv-Gschicht gewesen. Endlich eine, wo`s viele Fotos sowohl vom Opfer als auch vom Täter gibt. Echte Fotos nämlich, nicht irgendwelche von ausländischen Internet-Seiten heruntergestohlene und dann aus Feigheit gepixelte…“
„Jedenfalls hat er einen Paradeiser aufgezogen, die Kabel sind ihm herausgekommen, dass alle schon Angst hatten, der kippt jetzt wirklich um mit einem Herz- oder Hirnschlag. Nicht wie sonst, wie wir das oft im Spaß
sagen, sondern wirklich!“
„Wir bräuchten einen Arzt! So wie im Theater ein Theaterarzt vorgeschrieben ist, sollten wir einen Redaktionsarzt haben!“
„Was heißt Redaktionsarzt! Das ist doch ein Theater, hier!“
„Ein abgrundtiefes Schmierentheater.“
„Auf jeden Fall hat er vor lauter Brüllen richtiggehend zu atmen vergessen, der Gröschaz.“
„Da hätte er aber schon noch eine Minute dranhängen können! Warst du eigentlich dabei?“
„Zum Glück nicht.“
„Und die Details hat dir der Rainer erzählt?“
„Was denkst du? Mit keinem Wort hat er die Sache erwähnt mir gegenüber. Hat so getan, als wäre überhaupt nichts gewesen!“
„Typisch! Aber von wem weißt du`s dann?“
„Vom Wolfi! Dem hat der Rainer natürlich alles en detail berichtet. Du, ich muss jetzt aufhören. Ich muss noch einen Dreispalter schreiben. Heute kann ich mir echt keinen Schnitzer leisten.“
„Viel Spaß damit!“
„Danke verbindlichst.“

***

„Julia!“
„Ja?“
„Was ist das mit dem toten Hasen?“
„Keine Ahnung, hat der Wolfi gemacht.“
„Warum hat das der Wolfi gemacht? Ich hab doch dich für den Dreispalter und für die Kurzmeldungen eingeteilt!“
„Und den Wolfi hast du für gar nichts eingeteilt – dem war fad.“
„Wo ist der jetzt?“
„Weg. Sicher schon beim Schachtelwirten.“
„Ist der deppert?“
„Was ist denn überhaupt?“
„Ich bin hier von lauter Vollidioten umgeben! Die Gschicht mit dem Hasen – das ist doch keine Kurzmeldung!“
„Sondern?“
„Ein Dreispalter! Mindestens.“
„Ein Dreispalter? Da ist ja schon das Stelzendrama drin!“
„Wer braucht das Scheiß-Stelzendrama, wenn es einen zu Tode gekühlten Hasen gibt, wo sogar die Polizei ermittelt?“
„Rainer, an der Stelze ist ein Mensch gestorben! Was ist ein toter Hase dagegen?“
„Du tauschst jetzt die Gschichten aus! Du hast eine Viertelstunde!“

während julia als zeugin vor gericht gegen den proponenten der rechtspartei, der sie angegriffen hat, aussagt, fährt cordula mit dem schönen fotografen alex nach tirol. wird er seinem ruf als weiberheld wieder einmal alle ehre machen? und warum bemüht sich nicht nur cordys freund andi, sondern auch julias lover alfred plötzlich so?

„Hallo Mama!“
„Meine Liebe, ich wollte dir für morgen alles Gute wünschen – und du
willst sicher nicht, dass wir nach St. Pölten kommen?“
„Danke, das ist wirklich nicht notwendig, ich schaff das schon.“
„Ruf mich an, wenn`s vorbei ist!“
„Mach ich!“

***

SMS an Julia
morgen geht’s mit dem alekhhs nach tirrrrrrrrrrouul. denk an mich!

SMS an Cordy
du auch! ich hab morgen verhandlung!

SMS an Julia:
sorry, hab ich ganz vergessen – mach ich!

***

„Echt widerlicher Typ, dieser Partei-Heini! Du hast dich wirklich tapfer geschlagen!“
„Danke, Irene, du bist lieb! Super, dass du da warst!“
„Ehrensache! Sag einmal, gibt’s die Elfi eigentlich noch bei euch? Von der hab ich schon ewig nichts mehr gelesen.“
„Die recherchiert offenbar an einer großen Sache herum, nichts Genaues weiß man nicht. Keine Ahnung. Verschwindet immer mal wieder, und taucht dann ganz plötzlich wieder auf. Völlig unberechenbar. Aber der Rainer lässt ihr das alles  durchgehen. Die hat sich`s halt gerichtet.“
„Da bin ich aber gespannt, welchen Fisch sie da an Land zieht!“
„Ich auch. Vermutlich werden es eh wieder nur ein paar verwahrloste Pferde auf einem zwielichtigen Gnadenhof in der Provinz sein. Inklusive Spendenskandal. Ich glaube, es wird Zeit für die Urteilsverkündung. Gehen wir?“

***

SMS an mama / alfred / cordy
6 monate bedingt für den grapscher, nicht rechtskräftig

SMS an Julia
recht so! hoffentlich wird`s nicht weniger!

SMS an Julia
schade, dass ich einen termin hatte… hätte dich sooo gerne im
zeugenstand gesehen…

SMS an Julia
gehört dem arschloch! melde mich später…

***

„Janda.“
„Servus Julia, Peter hier! Sorry, dass ich heut vormittag so schnell abgehaut bin, aber ich hatte noch einen Termin beim Landesfürsten…“
„Seine Exzellenz lässt man natürlich nicht warten! Kein Problem, die Irene ist eh bis zum Schluss geblieben, mit der war ich dann noch Kaffeetrinken. Danke jedenfalls, dass du da warst – hat mir sehr geholfen.“
„Ist doch klar, dass wir dir beistehen! Du warst echt souverän! Ich hab die Gschicht jetzt fertig – soll ich sie dir schnell vorlesen oder willst du sie lieber per Mail?“
„Per Mail bitte, wenn´s geht!“
„Kommt sofort.“
„Lass dir Zeit – ich bin noch im Zug! Oder brauchst du das Ok sofort? Ich bin in ca. einer Stunde wieder in der Redaktion!“
„Nur keinen Stress, es reicht, wenn du mir bis fünf Bescheid gibst, ob alles passt.“
„Danke dir!“
„Gerne.“

***

„Cordy, altes Haus, wie war`s?“
„Sitzt du gut?“
„Wie man in einem alten IC-6er-Coupé der österreichischen Bundesbahn halt so sitzt… Wieso?“
„Es ist passiert!“
„Was?“
„Ich hatte was mit dem Alex!“
„Nein!“
„Doch.“
„Warum?“
„Frag nicht so blöd! Warum passiert so was – es war spät, wir waren besoffen und allein. Und außerdem war ich traurig.“
„Und, wie geht`s dir jetzt?“
„Na scheiße geht’s mir jetzt, wie denn sonst?“
„Wo bist du?“
„Auf der Raststation in Amstetten. Muss aufhören, wir fahren gleich weiter!“
„Ruf an, wenn du da bist, dann treffen wir uns!“

***

An: j.janda@info-bunt.com
Von: peter.fink@neuestenachrichten.at

titel: Sexueller Übergriff nach Wahlparty
untertitel: 6 Monate bedingt für PRO-Lokalpolitiker

Die Zugewinne seiner „Partei für Recht und Ordnung“ (PRO) bei der letzten Nationalratswahl dürften einem Jungfunktionär wohl in den Kopf gestiegen sein. Der 26-jährige Martin P., Vorsitzende der Retzer PRO, musste sich nach einem sexuellen Übergriff auf eine gleichaltrige Journalistin gestern wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung vor Gericht verantworten. P. war von seinem Landesvorsitzenden Ing. Walter Havlicek beauftragt worden, die junge Frau, die von der Wahlparty berichtet hatte, mit dem Auto zum Bahnhof St. Pölten zu bringen. In einer Nebenstraße des Bahnhofs war es am frühen Abend im Auto zu dem Übergriff gekommen, der mehrere Hämatome an Brust und Hals nach sich zog, wie ein ärztliches Gutachten bestätigte. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte gab sich vor Richter Michael Wohlgemuth uneinsichtig. Die junge Reporterin hätte ihn ermutigt, gab er an. Mit dem ärztlichen Gutachten konfrontiert, das freilich eine andere Sprache spricht, wollte sich der Jungpolitiker mit seinem „wahlsieg-bedingten“ Alkoholisierungsgrad rechtfertigen, was im vollbesetzten Verhandlungssaal für Heiterkeit sorgte. Der Schöffensenat fällte sein Urteil aufgrund des Gutachtens und der glaubwürdigen Aussagen des Opfers: 6 Monate bedingt, nicht rechtskräftig.

***

An: peter.fink@neuestenachrichten.at
Von: j.janda@info-bunt.com
bin voll einverstanden. toller artikel, danke dir!

***

„Du machst vielleicht Sachen…!“
„Hör auf, du redest schon wie meine Mutter!“
„Wie war das jetzt genau?“
„Es war wirklich eine Ausnahmesituation – ich brauchte eine Schulter zum Anlehnen. Das Interview war so furchtbar.“
„Du weißt aber schon, dass der alles vögelt, was nicht bei drei am Baum ist…“
„Ich bin wohl schon bei „zwei“ wieder abgerutscht.“
„How comes?“
„In dem Kaff war alles ausgebucht, wir mussten uns in einer fürchterlichen Pension ein Zimmer mit Doppelbett teilen.“
„Wieso habt ihr überhaupt dort übernachtet?“
„Weil der Alex zwei so lange Strecken nicht an einem Tag fährt.“
„Wieso habt ihr euch nicht abgewechselt?“
„Hab ich ihm angeboten, aber der wollte das gar nicht! Es war auch nie die Rede davon, dass wir noch am selben Tag zurückfahren. War mir doch egal – zu dem Zeitpunkt bin ich ja noch davon ausgegangen, ein gemütliches Almhüttenbett in den Tiroler Bergen für mich allein zu kriegen. So hätte es ja auch sein sollen. Wenn der Alex sagt, er fährt nach Tirol, um eine Fotostrecke zu schießen, dann kriegt der sein Zimmer bezahlt. Und ich natürlich auch.“
„Das ist ja unerhört! Nichts als Privilegien, die Fotografen und Beilagen-Schreiber!“
„Aber hallo, immerhin geht´s um eine Vier-Seiten-Fotostrecke für die Wochenendausgabe! Hochglanz! Da können sie ruhig was springen lassen! Im Vergleich zu all den anderen Dingen, die da so laufen mit Merchandising und Marketing und so weiter ist das ja wirklich ein Klacks!“
„So möchte ich auch einmal arbeiten! Aber wieso war die Pension fürchterlich?“
„Erstens: Scheußliches 70er-Jahre-Ambiente. Aber 70er-Jahre auf die peinliche Art, nicht auf die lässige: Grünes Resopal, dunkelbraune Vorhänge…“
„Autsch!“
„Genau! Zweitens: Die Tiroler Eisenbahnergewerkschaft hat dort ihr jährliches Arbeitsrechtsseminar abgehalten. Aber eigentlich haben die nur gesoffen. Und wir natürlich fleißig mitgetschechert… Bis um zwei. Als wir dann sturzbetrunken ins Zimmer gewankt sind, hab ich mich einfach ausgezogen und ins Bett gelegt.“
„Bist du irre?“
„Doch nicht aus Berechnung! Und schon gar nicht, um ihn scharf zu machen. Ich war einfach fertig, und es war heiß und mir war schlecht.“
„Das heißt, er hat angefangen…“
„Was glaubst denn du? Pötzlich waren sie da, seine Finger. Überall!“
„Warum hast du ihm keine geknallt?“
„Keine Ahnung. Es hat in dem Moment einfach gepasst. Außerdem wäre ich wahrscheinlich motorisch nicht in der Lage gewesen, ihm eine zu knallen.“
„Aber bei ihm hat alles hingehaut – motorisch, meine ich…“  „Sowieso!“
„Und geruchsmäßig?“
„Wie?“
„Na ja, Schweißfaktor…“
„Ich bin da nicht so heikel wie du! Und außerdem, ich war besoffen.“
„Verstehe. Wie seid ihr jetzt verblieben?“
„Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir sehr betrunken waren und werden uns deswegen nicht unnötig stressen. Ich kann nur hoffen, er hält sich dran. Blöde Kommentare…“
„… – oder gar ein schönes Liedchen…“
„Gott bewahre! Wir halten fest: Es war eine Ausnahmesituation, dieser Mann hat einen sagenhaften Körper – und ich bin blöd. Übrigens, Julia: Dieses Gespräch hat nie stattgefunden!“
„Welches Gespräch?“

***

An: c.reif@info-bunt.com
Von: j.janda@info-bunt.com
na, wie geht’s dir? deinen „ehebruch“ schon verkraftet?

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ich hätte es ganz wunderbar verdrängen können – wenn der andi gestern nicht sooo nett gewesen wäre! ich glaube, der hat auch endlich mitgekriegt, dass da was nicht passt zwischen uns, und dass eventuell vielleicht sogar er selbst etwas zur allgemeinen verbesserung der situation beitragen könnte. als ich heimgekommen bin, war der tisch gedeckt, mit kerzen, blumen und allem drum und dran. thailändisch!!! zugegeben, er hat nicht selbst gekocht, aber zumindest hat er eine idee gehabt, beschlossen, diese zu verwirklichen, anschließend das telefon in die hand genommen und den lieferservice angerufen. jetzt hab ich natürlich das TOTAL schlechte gewissen… ich hasse mich!

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nein, du darfst dich nicht hassen! nimm nicht die schuld auf dich! ganz schwerer fehler!

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mein hirn weiß das eh – aber mein herz hält sich nicht dran!

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hach, was bist du heute wieder romantisch!

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gell? was ist mit dir und deinem alfredo?

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läuft eh super – ich glaub, das wird eine ganz feine sache! gestern hat er mich zum essen ausgeführt (kommunizieren unsere zwei hübschen eigentlich heimlich miteinander?!?!?)– quasi als feierlicher abschluss, dass die gerichtsgschicht gut ausgegangen ist.

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ich dachte, das ist noch nicht rechtskräftig?

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ist es auch nicht, aber ich weiß aus erfahrung, dass gegen solche urteile meist nicht berufen wird. die nehmen sich aus prinzip drei tage bedenkzeit und akzeptieren dann.

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woher weiß der alfred das?

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weiß er es? keine ahnung – aber der hätte das wohl auch getan, wenn der PRO-ler einen freispruch gekriegt hätte.

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na toll. hab grad erfahren, ich darf jetzt eine straßenbefragung machen. ist an und für sich schon schlimm genug – aber jetzt halt dich an, zu welchem thema: „befruchtung per internet – könnten sie sich das vorstellen? ähm. nein? es gibt da jedenfalls so ein neues service aus england, das spermien per bote frei haus liefert, mit dem praktischen einführungs-set fürs wohnzimmer.“

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gott, wie peinlich! wie viele brauchst du denn?

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fünf pros und fünf cons.

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na dann viel glück!

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danke, werd ich brauchen. ist nämlich ein thema, wo sich definitiv keine verwandten und bekannten einspannen lassen!

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ach, ihr im LEBEN-ressort macht das auch?!?!? ;-)))

diesmal muss cordula in den sauren apfel beißen – und das privatleben
einer witwe mit fünf kindern für den geneigten leser von innen nach außen
kehren. julia beschäftigt währenddessen eine ganz andere frage: was
verheimlicht alfred vor ihr? – ein kind, vielleicht sogar eine ehefrau?

„Können wir uns kurz zusammensetzen? Wir müssen über den Dienstplan reden!“
„Ich bin nächste Woche auf Urlaub!“
„Hans, du bist doch gerade erst aus dem Urlaub gekommen! Das geht jetzt nicht! Der Papst kommt!“
„Rainer, wie du weißt, pflegt sich der Wind im Tyrrhenischen Meer nicht an den päpstlichen Terminkalender zu halten!“
„Aber ihr anderen seid da?“
„Ich bin da.“
„Ich auch.“
„Ich bis auf Mittwoch vormittag auch!“
„Das ist aber blöd, Julia. Da wollte ich dich nämlich aufs Gericht schicken. In St. Pölten wird eine Grapsch-Affäre von zwei 26-Jährigen verhandelt – das wär doch ideal für dich gewesen!“
„Rainer, das ist meine Verhandlung! Ich bin Zeugin – oder eigentlich das Opfer!“
„Was… – ach, der PRO-Funktionär! Das ist aber schnell gegangen!“
„Allerdings.“
„Dann werden wir die Gschicht nicht bringen. Über uns selbst schreiben wir nix.“
„Danke.“

***

An: c.reif@info-bunt.com
Von: j.janda@info-bunt.com
teil II: also: ich frage ihn geradeheraus, ob er mir was zu sagen hat, und er schaut mich ganz verdattert an, so, als hätte ich ihn bei etwas ertappt, und dann meint er: „wie kommst du denn auf so etwas?“, und ich hab gemeint, dass ich mir wegen dem wort „verpflichtungen“ in diesem SMS von ihm gedacht habe, er hat ein kind und/oder eine ex-frau, um die er sich kümmern muss. und warum er mir das verheimlichen wollte. und weißt du, was dann passiert ist? der hat zu lachen begonnen und konnte gar nicht mehr aufhören damit!

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dann sei doch froh! hast du von dem spangerl auch was gesagt?

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bist du verrückt, nein! ich hab mich nur auf das wort „verpflichtungen“ bezogen. aber das ist doch auch nicht normal, wenn der bei so einer frage laut lacht! der lügt mich doch an, wetten? warum tut er das, verdammt?

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du hast ja wirklich einen verfolger! schmeiß doch bitte nicht die nerven weg! wenn du dich jetzt in was reinsteigerst, kannst du dir höchstens alles zerstören! freu dich doch über das, was sich bis jetzt entwickelt hast, und geh`s langsam an. wenn es wirklich was zu erzählen gibt – was ich im übrigen gar nicht glaub -, dann wird er schon von allein damit kommen. alles zu seiner zeit!

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UND DIESES HAARSPANGERL?????

An: j.janda@info-bunt.com
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nichte, tochter einer klientin, klientin, freundin von nichte, tochter von anhalterin – es gibt 1000 möglichkeiten. bitte mach dich – und mich, by the way – nicht verrückt! treffen wir uns in der kantine zum mittagessen?

***

„Elfi, schnorrst du mir eine?“
„Sowieso.“
„Danke.“
„Aber hallo – der ist auch nicht von schlechtern Eltern!“
„Wer?“
„Der Knutschfleck auf deinem Hals!“
„Hab ich gar nicht gesehen! Peinlich.“
„Das sagen sie immer alle, am Tag danach. Im Ernst, den würd ich den Wohlgemuth nächste Woche eher nicht sehen lassen. Der glaubt am Ende noch, du stehst da drauf, und lässt den Partei-PRO-lo laufen…“
„Elfi, was täte ich ohne deine wertvollen Ratschläge?“
„Was ist jetzt mit dir und dem Alfred? Scheint ja recht heftig herzugehen zwischen euch! Ich hab ja gewusst, dass der zu dir passt! Wie geht`s eigentlich deinem Kreuz, by the way?“
„Hab ich völlig vergessen. Die Schmerzen sind wie weggeblasen!“
„Auf den Alfred ist eben Verlass!“
„Wie bist du eigentlich zu dem gekommen?“
„Ich hab ihn einmal für eine Gschicht interviewt, und bei der Gelegenheit hab ich mir gleich einen Termin bei ihm geben lassen, weil ich damals Probleme mit den Lendenwirbeln hatte.“
„Und ich dachte, ihr seid best friends – und du kriegst eine Provision für jeden Klienten, den du ihm vermittelst.“
„Schön wär`s! Und, steht heute noch ein Treffen an?“
„Ich glaube, heut abend muss ich mich einmal ausschlafen.“
„Wann trefft ihr euch denn das nächste Mal?“
„Keine Ahnung, ergibt sich meistens spontan. Elfi, bist du etwa eifersüchtig? Da hast du nämlich Pech gehabt, hättest mir deinen Alfred eben nicht ans Herz legen dürfen! So schnell geb ich den jetzt nicht mehr her.“
„Ich bin bloß neugierig.“
„Kannst du laut sagen.“

***

„Schmeckt´s dir nicht?“
„Geht so.“
„Also, mir schmeckt`s.“
„Schön.“
„Cordy, alles okay mit dir?“
„Na ja.“
„Was ist denn los?“
„Ich muss die ganze Zeit über diese Gschicht nachdenken!“
„Welche Gschicht? Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!“
„Ich muss nächste Woche nach Tirol fahren. Ziemlich arge Sache. Ein Bergretter ist vor einem halben Jahr verunglückt. Wollte ein paar wahnsinnige Holländer retten, die eine Lawine losgetreten haben. Die haben`s überlebt, dafür ist er gestorben.“
„Warum schreiben wir eine Gschicht, die vor einem halben Jahr passiert ist?“
„Der Tote war vierfacher Vater, das fünfte Kind war damals noch unterwegs. Jetzt ist das Kind da, und die Witwe gibt uns ein Interview.“
„Und?“
„Bin halt im Moment nicht so auf Tränendrücker-Gschichten aus. Ich weiß nicht, wie ich`s anlegen soll, und wie ich das alles packen soll. Mir geht`s beschissen.“
„Wegen deiner Oma?“
„Auch. Die hat mich so oft gefragt, ob ich nach der Arbeit zu ihr komme. Ich hab`s nie geschafft, und jetzt ist es zu spät. Gestern ist sie gestorben.“
„Tut mir leid. Wann fährst du nach Tirol?“
„Am Mittwoch. Aber es ist einfach alles so unnötig – jetzt muss ich dort hinfahren und diese arme Frau nerven. Gut, sie redet freiwillig mit uns,
aber trotzdem… Werde versuchen, ein sogenanntes einfühlsames Interview zu machen, aber ich Grunde geht es der Sylvie doch nur um das Zurschaustellen von bedauernswerten Existenzen. Ganz ehrlich, wem bringt`s was, wenn ich dieses Interview mach?“
„Da hast du ein Taschentuch!“
„Danke! Und mit dem Andi läuft`s auch gerade beschissen. Keiner nimmt Rücksicht auf den anderen, jeder lebt sein eigenes Leben, und wenn man sich dazwischen einmal zufällig in der Küche trifft – auch fein.“
„Du hast wenigstens so etwas wie eine Beziehung – was soll ich sagen? Dieses Nichtwissen macht mich verrückt.“
„Im Unterschied zu mir hast du wenigstens geilen Sex! Das mit dir und deinem Alfredo entwickelt sich doch eh zu einer fixen Gschicht, hundert pro! –Vorausgesetzt, du kriegst deine Panik ein bissl in den Griff, sonst tritt der noch die Flucht nach hinten an!“
„Du sollst nicht immer Alfredo sagen! Und ich muss einfach wissen, was der mir verheimlicht!“
„Bestimmt gar nichts. Ihr seid doch gerade erst dabei, euch kennenzulernen!“

***

„Julia, hör dir das an – heut kann gar nichts mehr schiefgehen!“
„Warum?“
„Die Arbeit geht Ihnen derzeit leicht von der Hand. Sie können die schwierigsten Aufgaben bewältigen. Was immer Sie jetzt auf die Beine stellen, der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Genießen Sie jetzt romantische Stunden mit Ihrem Partner! Augen auf, Singles – das Glück liegt doch so nah!“
„Hans, seit wann glaubst du an Horoskope?“
„Ist doch lustig! Soll ich dir deines auch vorlesen?
„Nein danke!“
„Spielverderberin!“
„Wenn ich Skorpion wäre, würde ich es auch jeden Tag lesen. Aber so lass
ich es lieber!“
„Was hat das denn mit dem Skorpion zu tun?“
„Hast du nicht gewusst, dass der Gröschaz auch Skorpion ist?“
„Nein, aber was hat das damit zu tun?“
„Viel. Das Skorpion-Horoskop wird jeden Tag ausschließlich auf die Bedürfnisse des Gröschaz zugeschnitten.“
„Und ich dachte, er spielt nur den Wettergott…“
„Nein, der Gröschaz möchte auch täglich ein erbauliches Horoskop in der Zeitung lesen. Und das bekommt er auch – es ist ja schließlich seine Zeitung.“

***

„Julia, servus!“
„Stör ich dich, Irene?“
„Woher denn, gestern war Redaktionsschluss, daher ist heute tote Hose.“
„Ja ja, die privilegierten Wochenzeitungsredakteure…! Du, warum ich anruf: Morgen ist meine Verhandlung in St. Pölten, die Grapsch-Gschicht.“
„Hab`s schon gesehen! Find ich total lustig, dass der Wohlgemuth „dein“ Richter ist! Bei dem hat der eklige PRO-Grapscher sicher keine Chance!“
„Sag das nicht – es steht Aussage gegen Aussage. Er wird die Sache natürlich abstreiten, und dann wird er im Zweifel freigesprochen.“
„Kann ich mir nicht vorstellen, dass der Wohlgemuth so was tut. Der kennt dich doch und weiß, dass du glaubwürdig bist!“
„Warten wir`s ab… Der Rainer hat mir übrigens versprochen, dass INFO bunt die Sache nicht bringt.“
„Hört, hört! Gehört sich aber auch so! Ich werde natürlich dort sein – aber keine Angst, Mein Bezirk wird deinen Namen nicht ausschreiben. Ist mit unserem Chef so ausgemacht. Den vom Täter bringen wir natürlich schon.
Als Parteifunktionär steht er schließlich im öffentlichen Interesse. Auch wenn er nur ein Pimperlfunktionär in einer Pimperlpartei ist…“
„Pimperlpartei sind die mittlerweile keine mehr!“
„War nicht quantitativ gemeint, sondern qualitativ! Die Neuesten Nachrichten werden das auch so handhaben. Ist mit dem Peter abgesprochen – er wird natürlich auch da sein.“
„Gut zu wissen!“
„Keine Sorge, Julia, das kriegst du schon über die Bühne! Und nachher gehen wir einen Kaffee trinken, ok?“
„Besser einen Schnaps. Den brauch ich sicher, egal, wie die Sache ausgeht…“

wieder einmal kommt julia mit ihrer schwer erkämpften foto-beute zurück in die redaktion und muss herausfinden, dass hinter ihrem rücken längst die viel besseren fotos organisiert wurden. zu allem ärger weigert alfred sich nach wie vor beharrlich, in ihrer wohnung zu nächtigen…

„Fünf vor zwei – wo sind die Fotos?“
„Ich hab vor sieben Minuten auf „Senden“ gedrückt!“
„Wieso sind die dann noch nicht da?“
„Keine Ahnung – sind ein bisschen groß geworden, offenbar.“
„Warum hast du sie nicht verkleinert?“
„Rainer – ich steh hier in einem fremden EDV-Raum in einer fremden Schule
mit einem fremden Schulwart, der von seiner Samstags-Radtour…“
„Ist mir scheißegal!“
„Ich kann die Fotos aber nicht runterrechnen!“
„Julia, das erste ist durch!“
„Außerdem hör ich grad, das erste ist durch!“
„Na toll. Grünes Gras.“
„Das ist ein Blutfleck! Sieht man das nicht?“
„Gut, das erledigt die Bildbearbeitung. Schick auf jeden Fall als Nächstes das mit dem Kind! So viel Intelligenz hätte ich dir eigentlich zugetraut, dass du das als Erstes schickst!“
„Wer schreibt eigentlich den Text?“
„Den hab ich längst geschrieben!“
„Brauchst du noch irgendwelche Infos?“
„Wir hatten vor einer halben Stunde Redaktionsschluss – und da fragst du mich jetzt, ob ich irgendwelche Infos brauch? Ich hab mir meine Infos selber geholt.“

***

„Danke, Rudi, du hast jetzt meinen Arsch gerettet!“
„Gern geschehen, war ja nichts dabei.“
„So, Julia, können wir jetzt heimfahren essen, oder musst du diese
Geschichte schreiben auch noch?“
„Nein, das ist schon erledigt. Hat der Rainer gemacht.“
„Der Rainer Reisenbichler, das ist der nämlich der Ressortleiter von der Julia. War früher bei der Bild-Zeitung!“
„Und dort, glaubt er, ist er immer noch.“
„Aha, interessant… Heißt das, du kannst ihn einmal bitten, dass er über unseren Familien-Radwandertag berichtet? Der ist nämlich schon Ende Juni – und da kommen sicher 400 Leute. Sogar aus Tschechien!“
„Rudi, ich fürchte, das wird schwierig. Gmünd ist halt schon ein bisserl weit weg – und in den Köpfen von meinen Chefs, glaub ich, leider gar nicht vorhanden. Für die sind eher die Gschichten aus Klosterneuburg, Wiener Neustadt und Baden von Bedeutung.“
„Schade. Aber heute bist du ja auch gekommen?!“
„Das ist was anderes, da geht es um ein totes Kind. Tote Kinder sind – neben Hunden und halbnackerten Ex-Missen – halt einmal das Lieblingsthema von meinem Chefredakteur.“
„Na servus! Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich den Neuesten Nachrichten treu geblieben bin! Obwohl – die werden ja auch immer blöder…“

***

„Danke für den Kaffee und die Nachspeis, aber ich muss jetzt wirklich los!
Morgen hab ich ja wieder Dienst!“
„Aber Kind, es ist doch erst halb vier!“
„Mama, wenn ist jetzt losfahre, ist es wahrscheinlich sechs, bis ich daheim bin! Ich will ja heute auch noch was unternehmen, und nicht gleich nach dem Heimkommen wie tot ins Bett fallen!“
„Was hast du denn vor?“
„Keine Ahnung, vielleicht ergibt sich noch was.“
„Jetzt mach`s doch nicht so spannend – hast du etwa einen neuen Freund? Wird eh schön langsam Zeit! Das mit dem Werner ist ja jetzt wirklich lange genug her.“
„Na ja, ich hab schon einen kennengelernt, der ist zwar schon Ende dreißig, aber er ist total süß!“
„Was macht er denn?“
„Er ist Physiotherapeut!“
„Dein Physiotherapeut?“
„Ja.“
„Das ist aber nicht professionell von dem, weißt du das? Mit seinen Patienten fängt man sich nichts an!“
„Das ist kein Arzt!“
„Hab ich ja auch nicht gemeint.“
„Dasselbe Prinzip gilt ja auch für uns.“
„Ist ja logo, eure Schüler sind ja noch nicht erwachsen! Ich hingegen schon!“
„Unsere Julia…“
„Und, meint er es wenigstens ernst mit dir?“
„Mama, das ist der Mann für`s Leben! Ich spür`s ganz genau!“
„Julia, wir wünschen es dir von Herzen!“

***

„Hallo Baby, schön, dass du dich endlich meldest. Bist du schon zurück in Wien?“
„Quasi – bin grad an Stockerau vorbei. Und überhaupt – seit wann sind wir per Baby?“
„Wie schaut`s aus – hast du heute noch Lust auf mich? Und ins Kino könnten wir auch gehen…“
„Sowieso! Ich muss vorher aber noch unbedingt unter die Dusche – den Angstschweiß von heute Mittag loswerden.“
„Wieso? Das ist doch sexy!“
„Für dich vielleicht, sicher nicht für mich. Schau lieber nach, was sie heute im Casablanca spielen – ist ja gleich ums Eck von mir, da bräuchen wir nachher nur noch zweimal umfallen.“
„Ich hätte eher ans Capitol gedacht, quasi bei mir ums Eck.“
„Aber im Casablanca gibt’s die Filme im Original! Und außerdem, jetzt bin ich schon so oft bei dir gewesen – aber du warst noch nie bei mir! Wieso schlafen wir heute nicht einmal bei mir? Interessiert dich meine Wohnung gar nicht?“
„Doch, Baby, aber ich hab morgen Früh um acht schon einen Klienten. Da will ich vorher nicht kreuz und quer durch die Stadt fahren müssen. Du als Morgenmuffel verstehst das doch, oder?“
„Ja. Aber beim nächsten Mal schlafen wir bei mir!“
„Versprochen. Du, Julia?“
„Ich kann`s kaum erwarten, bis du da bist!“
„Geht mir auch so!“

***

„Geile Gschicht, das gepfählte Kind! Schon den aufgepeppten Blutfleck gesehen?“
„Rainer, das war echt Scheiße gestern! Und der Blutfleck – was haben sich die Bildbearbeiter dabei gedacht? Sieht ja aus wie bei Hermann Nitsch!“
„Das wissen aber nur wir.“
„Warum hast du das Foto vom Unfallort mit der Trauerschleife nicht genommen?“
„Woher stammt überhaupt dieses Familienfoto?“
„Berufsgeheimnis. Ich hab auch meine Connections!“
„Und warum hat mir das gestern niemand gesagt?“
„Diese Connection hat sich erst am Nachmittag ergeben!“
„Was heißt, am Nachmittag? Ich dachte, um halb zwei war Redaktionsschluss?!“
„Der Gröschaz wollte aber das Familienfoto!“

***

An: c.reif@info-bunt.com
Von: j.janda@info-bunt.com
wo bin ich hier – in einer geschlossenen abteilung?!? die haben mich gestern nach gmünd geschickt, mir die hölle heiß gemacht, mit kündigung gedroht und allem pipapo. ich reiß mir den arsch auf, zieh meine eltern (und die sogar noch einen bekannten) in die sache hinein, und was geschieht? rainer und co haben hinter meinem rücken selber fotos organisiert… bin ich eigentlich der trottel vom dienst? übrigens: hab gestern alfred (habe bei ihm genächtigt!!!) gefragt, was er mit „verpflichtungen“ gemeint hat. der hat so getan, als wüsste er üb-er-haupt nicht, wovon ich rede, und hat ewig herumgeeiert, dass er halt viele klienten hat, von denen manche ein bisserl schwierig sind, und für die muss er sich dann eben ganz besonders lange zeit nehmen. die halten es auch nicht aus, wenn er einmal ein paar minuten später kommmt oder – gott verhüte! – einen termin verschieben oder canceln muss. „du weißt ja, der kunde ist könig“ – bla bla bla. ich hab ihn dann einfach drauf angeredet, habe gesagt… – moment, rainer schreit grad, teil II kriegst du später!